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Europäische Bürstenhersteller setzen auf Kreislaufwirtschaft: Borstenabfälle werden in neue Filamente umgewandelt

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  • 2025-11-05 01:31:35

Europäische Bürstenhersteller führen Kreislaufwirtschaft an: Borstenabfälle werden in recycelte Filamente umgewandelt

Da die globale Schönheitsindustrie mit dem zunehmenden Druck zu kämpfen hat, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, verlagern sich Praktiken der Kreislaufwirtschaft von Nischeninitiativen zu wesentlichen Geschäftsstrategien. Nirgendwo wird dies deutlicher als in Europa, wo Hersteller von Make-up-Pinseln einen transformativen Ansatz vorantreiben: Borstenproduktionsabfälle in leistungsstarke recycelte Filamente umwandeln. Diese Innovation adressiert nicht nur Nachhaltigkeitsziele, sondern definiert auch die Ressourceneffizienz in einer Branche neu, die lange Zeit für lineare Produktionsmodelle kritisiert wurde.

Der Bedarf an Veränderungen ist dringend. Bei der herkömmlichen Herstellung von Borsten – ob aus Naturfasern (wie Ziegen- oder Ponyhaar) oder synthetischen Materialien (wie Nylon oder PBT) – entsteht erheblicher Abfall. Beim Schneiden, Formen und bei der Qualitätskontrolle fallen bis zu 15–20 % der Rohstoffe als Abfall an, der oft auf Mülldeponien entsorgt oder verbrannt wird. Für Europas 2,3-Milliarden-Dollar-Kosmetikpinselmarkt bedeutet dies Tausende Tonnen jährlichen Abfalls, der zu Kohlenstoffemissionen und Ressourcenverschwendung beiträgt. „Eine lineare Produktion war auf Dauer nie realisierbar“, bemerkt Elena Müller, Nachhaltigkeitsdirektorin bei einem führenden deutschen Bürstenhersteller. „Heutzutage verlangen Verbraucher, Regulierungsbehörden und sogar Investoren Beweise dafür, dass Marken den Kreislauf schließen.“

European Brush Manufacturers Adopt Circular Economy: Bristle Waste Turned into New Filaments-1

Hinter diesem Wandel stehen vor allem zwei Kräfte: sich verändernde Verbraucherpräferenzen und strenge EU-Vorschriften. Eine Eurostat-Umfrage aus dem Jahr 2023 ergab, dass 78 % der europäischen Kosmetikkäufer beim Kauf von Werkzeugen Wert auf „Nachhaltigkeitsnachweise“ legen, während der EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft (CEAP) eine Recyclingquote von 55 % für Kunststoffverpackungen bis 2030 vorschreibt – was die Hersteller dazu drängt, Abfall als Ressource zu überdenken.

Die Technologie, die dies ermöglicht, ist sowohl innovativ als auch skalierbar. Europäische Hersteller haben geschlossene Kreislaufsysteme entwickelt, die an der Produktionslinie beginnen: Spezielle Sammeleinheiten sortieren Borstenabfälle jetzt nach Art – natürlich oder synthetisch – und verhindern so eine Kontamination. Bei synthetischen Borsten (dem größten Abfallstrom, der etwa 70 % der europäischen Produktion ausmacht) stehen fortschrittliche mechanische Recyclingverfahren im Mittelpunkt. Nach dem Reinigen und Zerkleinern werden die Abfälle einer Schmelzfiltration unterzogen, um Verunreinigungen zu entfernen, und dann zu neuen Filamenten extrudiert. Entscheidend ist, dass diese recycelten Filamente die gleichen Leistungsstandards erfüllen wie Neumaterialien, wobei Tests eine vergleichbare Weichheit, Haltbarkeit und Farbbeständigkeit belegen.

Naturborstenabfälle sind zwar weniger voluminös, werden aber ebenfalls einer anderen Verwendung zugeführt. Unternehmen wie das in Italien ansässige Unternehmen EcoBristle haben enzymatische Reinigungstechniken zur Desinfektion und Wiederaufbereitung tierischer Fasern entwickelt und sie in umweltfreundliche Alternativen für preisgünstige oder nachhaltige Produktlinien umgewandelt. „Wir haben unsere Abhängigkeit von neuen Naturfasern seit 2021 um 35 % reduziert“, sagt Marco Rossi, Forschungs- und Entwicklungsleiter von EcoBristle. „Die recycelten Naturfilamente machen mittlerweile 20 % unserer Produktion aus, wobei die Nachfrage im Jahresvergleich um 40 % steigt.“

Die Auswirkungen auf die Umwelt sind spürbar. Erste Daten aus Pilotprogrammen zeigen, dass das Recycling von Borstenabfällen die Kohlenstoffemissionen im Vergleich zur Herstellung von Neufilamenten um 40–50 % senkt und gleichzeitig die Rohstoffgewinnung um bis zu 60 % reduziert. Bei synthetischen Borsten, die auf erdölbasierten Rohstoffen basieren, verringert sich dadurch auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – ein entscheidender Vorteil angesichts der volatilen Energiepreise.

Über Compliance und Verbrauchernachfrage hinaus steht dieser Wandel im Einklang mit der langfristigen Rentabilität. Durch die Umwandlung von Abfällen in verkaufsfähige Filamente verwandeln Hersteller eine Kostenstelle (Abfallentsorgung) in eine Einnahmequelle. „Unsere recycelten Filamente erzielen mittlerweile einen Marktaufschlag von 10–15 %“, erklärt Müller. „Marken sind bereit, für Nachhaltigkeit mehr zu bezahlen, und die Herstellung des recycelten Materials kostet 20 % weniger als die von Neufilamenten – eine Win-Win-Situation.“

Da sich die EU-Vorschriften verschärfen (insbesondere die bevorstehende Kunststoffabfallrichtlinie) und globale Marken wissenschaftlich fundierte Ziele festlegen, wird dieses Kreislaufmodell schnell zu einem Branchenmaßstab. „Europa führt nicht nur Praktiken der Kreislaufwirtschaft ein – es setzt Maßstäbe“, sagt Dr. Lisa Chen, Kreislaufwirtschaftsanalystin beim European Beauty Sustainability Council. „Die Technologie ist skalierbar und wir sehen bereits, dass asiatische und nordamerikanische Hersteller nach Partnerschaften zur Replikation dieser Systeme fragen.“

Für die gesamte Branche ist die Botschaft klar: Nachhaltigkeit und Leistung konkurrieren nicht mehr – sie arbeiten zusammen. Durch die Umwandlung von Borstenabfällen in recycelte Filamente beweisen europäische Hersteller, dass die Kreislaufwirtschaft nicht nur ein Trend ist; Es ist die Zukunft der Herstellung von Schönheitswerkzeugen.

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